Häufige Fragen

Die Bank hat meinen Kredit gekündigt. Was nun?

Umfangreicher Ratgeber: Ihre Bank hat Ihnen den Kredit gekündigt und verlangt die sofortige Rückzahlung der Restsumme?

Kredit gekündigt - was nun? [© Alliance - Fotolia.com]

Wenn die Bank Ihnen den Kredit gekündigt hat und nun dessen volle Summe auf einmal zurückfordert, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Nun gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren um sich aus der Situation zu retten und diese nicht noch schlimmer zu machen.

Wie ist der übliche Ablauf?
Wer einen oder mehrere laufende Ratenkredite nicht bedienen - also die monatlichen Raten aufgrund einer finanziellen Schieflage oder anderen Gründen nicht leisten - kann, wird zunächst von der kreditgebenden Bank mehr oder minder freundlich angemahnt, den offenen Betrag zu begleichen. Im Regelfall werden für eine ungedeckte Lastschrift auch Gebühren fällig. Daher ist es auch nicht zu empfehlen, eine abgebuchte Kreditrate einfach zu stornieren bzw. zurückbuchen zu lassen.

Kommt man - im Fall des Ratenrückstandes - der ersten sowie ggf. auch einer zweiten Mahnung nicht nach und begleicht die offenen Forderungen aus dem Kreditvertrag nicht, wird dieser von der Bank meist per Einschreiben gekündigt und das sogenannte Schuldsaldo zur sofortigen Rückzahlung fällig gestellt. Meist mit einer Frist von zwei Wochen.

Dieses Kündigungsrecht basiert auf § 498 BGB (Gesamtfälligstellung bei Teilzahlungsdarlehen), nach welchem der Kreditgeber zur Kündigung berechtigt ist, wenn der Darlehensnehmer mit zwei aufeinanderfolgenden Raten und mindestens 10 % (bei einer Laufzeit von mehr als 3 Jahren von 5 %) des Darlehensnennbetrages in Verzug ist (Abs. 1). Zuvor muss jedoch bereits die die besagte schriftliche Mahnung mit Fristsetzung von zwei Wochen fruchtlos gewesen sein (Abs. 2). Spätestens mit der Fristsetzung soll dem Kreditnehmer laut diesem Paragraphen auch ein Gesprächsangebot zur einverständlichen Lösung der Situation angeboten werden.

Vorfälligkeitsentschädigung ist nicht rechtens
Kündigt die Bank einen Kredit von sich aus, hat sie laut Urteilen des BGH aus dem Jahre 2016 übrigens keinen Anspruch auf die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, also die Entschädigung für entgangene Zinsen. Das können gerade bei Immobiliendarlehen schnell hohe fünfstellige Beträge sein. Hat man diese bereits gezahlt, kann man versuchen, diese rückwirkend einzufordern. Hierfür sollte man jedoch einen darauf spezialisierten Rechtsanwalt mit ins Boot holen.

Es ist auch bereits vorgekommen, dass eine Kreditkündigung durch die Bank aufgrund einer maßgeblich geänderten finanziellen Situation ausgesprochen wird (§ 490 BGB). Das kann vor allem bei Arbeitslosigkeit oder der Rückzahlung von Studentenkrediten geschehen. Auch wenn Verbindlichkeiten gegenüber Dritten nicht bedient werden können, kann die Bank - bei ansonsten tadelloser Ratenzahlung - unter Hinweis auf ihre AGB den Kredit kündigen.

Ebenso können falsche Angaben beim Kreditantrag bzw. zur Vermögenssituation zur Kündigung führen. Eine rechtliche Voraussetzung liegt zudem auch vor, wenn eine gestellte Sicherheit einen erheblichen Wertverlust erleidet.

In jedem Fall sollte zunächst versucht werden, mit dem persönlichen Bankberater oder einem zuständigen Mitarbeiter des Kreditgebers das Gespräch zu suchen und Lösungsbereitschaft zu signalisieren.

Wird hingegen ein Dispokredit gekündigt, so ist die Bank meist der überzeugten Ansicht, dass der Schuldner sich nicht aus eigener Kraft aus dem sogenannten Dauerdispo befreien kann - die monatlichen Einnahmen also absehbar nicht ausreichen, um das Konto angemessen zu entschulden. Zwar verdient die Bank an den meist zweistelligen Dispozinsen sehr gutes Geld, jedoch ist auch sie verpflichtet, einer Verschuldung seiner Kunden entgegen zu wirken. Ein SCHUFA-Eintrag wird bei fristgemäßer Begleichung (meist sechs Wochen) nicht vorgenommen.

Wie soll der komplette Betrag geleistet werden, wenn schon die letzten Raten nicht beglichen werden konnten? Hier einige Lösungsansätze:

Finden einer Lösung bei der Bank nach einer Kreditkündigung (© Jeanette Dietl Fotolia.com)

Ratenvereinbarung
Sind die säumigen Raten nicht durch finanzielle Probleme, sonder z.B. durch buchhalterische oder persönliche Probleme entstanden, oder überzeugt man die Bank von einer guten finanziellen Situation, besteht die Chance, dass man über die fällige gesamte Kreditsumme eine Ratenvereinbarung treffen kann. Diese wird bis zu zwölf Monate festgelegt und bedeutet daher höhere monatliche Raten als bisher, jedoch auch die Chance, die oft vier- oder fünfstelligen Summen ohne Rücklagen zu bestreiten.

Schuldnerberatung
Meist ist die Kreditkündigung eine Situation, welche man vorher noch nicht gemeistert hat. Wer professionelle und erfahrene Hilfe annehmen möchte, sollte sich an eine Schuldnerberatung in seiner Nähe wenden.

Diese Hilfe sollte vor allem dann angenommen werden, wenn es um beträchtliche Summen geht - wie etwa beim Hauskredit. Hier übernehmen sich Kreditnehmer leicht mit den monatlichen Raten und sehen sich dann hohen fünf- oder sogar sechstelligen Forderungen entgegen.

Autokredit wurde gekündigt? Was nun? (© Jakub Krechowicz - Fotolia.com)Wenn die Bank den Autokredit gekündigt hat
Bei einer Kfz-Finanzierung hat die Bank im Regelfall den Fahrzeugbrief (heute Zulassungsbescheinigung Teil II) einbehalten. Bleibt man nun mit einer Rate im Rückstand, wird die Bank an den Kreditnehmer eine entsprechende Mitteilung senden, dass die offene Rate unverzüglich zu begleichen ist und ab der zweiten offenen Rate ohne weiteres eine Kündigung des Vertrages aussprechen. Der Fall wird dann gern an ein Inkassounternehmen abgegeben, welches die Summe eintreiben soll sowie das Fahrzeug als Sicherheit abschleppt (gepfändet).
Wenn es noch nicht zu spät ist, sollten die Raten also unbedingt beglichen werden oder zumindest das Gespräch mit der Bank gesucht werden, um ggf. eine Stundung oder Tilgungsverlängerung zu vereinbaren.
Alles in allem ist eine Nichtbegleichung der Raten immer mit höheren Kosten verbunden (Inkasso, Gutachter, Verwertung) und sollte unter allen Umständen sowie mit allen Möglichkeiten vermieden werden.

Wie vorgehen, wenn die Bank den Hauskredit gekündigt hat? (© Jakub Krechowicz - Fotolia.com)Wenn die Bank den Hauskredit gekündigt hat - was tun?
Gerade bei existentiellen Darlehen wie der Immobilienfinanzierung kann sich das Hinzuziehen eines erfahrenen Rechtsanwalts auszahlen. Dieser prüft den Kreditvertrag und die Kündigung und kann feststellen, ob die Kündigung überhaupt wirksam ausgesprochen wurde und die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind.

Ist die Wirksamkeit der Kündigung aber gegeben, gibt es nun je nach vorherrschender Situation mehrere Möglichkeiten:

  • Suchen Sie ein Gespräch mit Ihrem persönlichen Bankberater. Schildern Sie ihm ehrlich die Situation und versuchen ihn davon zu überzeugen, dass sich Ihre Situation verbessert hat. Auch die Aussicht auf Rückzahlung höherer Einmalbeträge (z.B. 10 Prozent der gekündigten Kreditsumme) können Wunder bewirken.
  • Wenn bei der bisherigen Bank kein Lösung in Sicht ist, können Sie versuchen einen Immobilienkredit bei einer anderen Bank zu bekommen - was nicht unmöglich ist, wenn die Bonität mittlerweile wieder solide ist. Zur Restschuld kommen dann in den meisten Fällen aber noch die Vorfälligkeitsentschädigung der bisherigen Bank hinzu.
  • Neben der bereits angesprochenen Schuldnerberatung, die Ihnen bei der Beurteilung Ihrer Situation hilft, kann auch der
  • freihändige Verkauf der Immobilie eine Option sein, welcher in vielen Fällen lukrativer ist als die drohende Zwangsversteigerung

Wie geht es weiter wenn der gekündigte Kredit nicht bezahlt werden kann?

Umschuldung und weiteren Kredit aufnehmen?
Wer einen gekündigten Kredit mit einem weiteren Kredit begleichen möchte, hat hoffentlich den Warnschuss verstanden. Falls sich wirklich ein potentieller Kreditgeber findet, ist in diesem Fall aufgrund des negativen SCHUFA-Eintrags aus den bisherigen Kreditverpflichtungen mit einer Verschlechterung der Kreditkonditionen zu rechnen. Falls Sie bei einer anderen Bank jedoch bessere Konditionen (niedrigere Raten, bessere Zinsen) aushandeln können, kann diese Möglichkeit des Umschuldens sinnvoll sein.  

Vorsicht ist unbedingt bei potentiell unseriösen Anbietern geboten, welche die schwierige Situation des Kreditnehmers gern ausnutzen ("Kredite bei Kreditkündigung", "Kredite ohne SCHUFA", "Kredite in schwierigen Fällen"). Diese können die Situation weiter verschlechtern und den Kunden in neue Schwierigkeiten bringen.

Es sollte indes lieber geprüft werden, ob man sich privat und im Idealfall ohne Zinsen Geld leihen kann. In jedem Fall ist die eigene finanzielle Situation strengstens zu analyiseren um die Situation nachhaltig zu retten und zu verbessern.

Lohnabtretung
Wer die erforderliche Summe nicht aufbringen kann und sich in einem Beschäftigungsverhältnis befindet, muss seinem Arbeitgeber mit dem Thema Lohnpfändung konfrontieren. Zumeist gibt es im Kreditvertrag auch eine Lohnabtretungsklausel, welche die Bank berechtigt, die Lohnabtretung beim Arbeitgeber offen zu legen. Wenn die Lohnpfändung bereits per Arbeitsvertrag ausgeschlossen wurde oder der Arbeitgeber dieser nicht zustimmt, kommt die nächste Stufe der Forderungsleiter zum Tragen.

Vergleich
Wenn Sie beim besten Willen nicht die komplette Kreditsumme zurückzahlen können, haben in der Vergangenheit auch Vergleichsangebote zum Erfolg geführt. Die Bank verzichtet dabei auf einen Teil ihrer Forderung und vermeidet somit das Risiko, von der ausstehenden Kreditsumme überhaupt nichts zu erhalten.

Gerichtliches Mahnverfahren
Sollten alle vorherigen Möglichkeiten nicht möglich sein, wird die Bank zunächst einen gerichtlichen Mahnbescheid zusenden lassen. Dieser kann einfach beantragt werden und wird vom Mahngericht auch nur formell und nicht inhaltlich geprüft. Die weiteren Schritte sind bei Nichtzahlung und ohne Einlegung eines Widerspruchs der Vollstreckungsbescheid sowie die Zwangsvollstreckung.

Privatinsolvenz
Ist auch durch den Gerichtsvollzieher nichts zu holen bzw. zu pfänden, gibt es seit einigen Jahren auch die Möglichkeit der Privatinsolvenz. Diese sollte jedoch aufgrund der damit einhergenden Probleme und Unannehmlichkeiten die allerletzte Instanz sein.

Verjährung der Kündigung
Die Möglichkeit einer Verjährung nach drei Jahren ab dem 1. Januar nach der Kündigung ist sehr sehr gering, da die Bank diese Frist auch kennt und sie nicht ohne weitere Maßnahmen verstreichen lassen wird.

Kategorie: Kredite


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Eva-Maria:
Mein Mann ist letztes Jahr verstorben der noch einen Kredit zu laufen hatte von dem ich nichts wußte muss ich den Kredit trotzdem zurück bezahlen
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