Dispozinsen sinken langsam

Dispozinsen auf einem Kontoauszug [© playstuff - Fotolia.com]

Für eine Analyse der Zeitschrift "Finanztest" wurden insgesamt 1.504 Banken hinsichtlich der Zinsen für die Dispokredite getestet. Dafür wurden Mails verschickt, die Websites der Banken studiert und in hartnäckigen Fällen auch Vor-Ort-Besuche durchgeführt.

Das Positive zuerst: Knapp 250 Banken haben in den verganenen Monaten ihre Dispozinsen um mindestens einen Prozentpunkt gesenkt. Auch verzichten mehr Banken auf einen Überziehungs- oder Strafzins, welcher fällig wird, wenn auch der Dispo überzogen wird.

Jedoch sind nicht alle Banken bereit, den Zins zu senken oder geben diesen nicht offensichtlich und transparent bekannt. Einige Banken haben mitunter versucht, den Zinssatz auf abenteuerliche Weise zu verschleiern.

Bei der Recherche wurden sogar Rekordzinsen für den Dispo von 14,25 Prozent festgestellt. Der Durchschnitt beträgt immerhin 10,65 Prozent (Vorjahr: 11,31 Prozent). Von den 100 Banken, welche 13 oder mehr Prozent verlangten sind noch 35 übrig geblieben.

Den günstigsten Satz bietet übrigens die Deutsche Skatbank mit 4,9 Prozent. Auch viele PSD-Banken bieten verbraucherfreundliche Zinsen von 5 bis 7 Prozent. Spitzenreiter ist die Volksbank Westenholz und die Raiffeisenbank Weil und Umgebung, welche bei schlechter Bonität mit 14,25 Prozent zulangen.

Begründung für den hohen Dispozinssatz

Nimmt man sich den Leitzins der EZB her, der jüngst sogar auf 0,05 Prozent gesenkt wurde, müsste der Dispozins eigentlich auch drastisch gesenkt werden. Kritiker werfen den Banken vor, mit diesem auf einfache und ungerechtfertigte Weise Geld zu verdienen und ihre Kunden auszunehmen. In der Tat sollen die Mehreinnahmen pro Prozentpunkt über alle Banken hinweg wohl 380 Millionen Euro betragen.

Die Banken begründen den hohen Zins mit dem erhöhten Aufwand für die Vorhaltung und Überwachung des Dispokredits. Wesentliche Bestandteile des Zinses sind neben den Refinanzierungskosten auch Eigenkapital- und Risikokosten sowie die Kosten für die theoretische Bereithaltung der Liquidität und die Kosten des operativen Geschäfts. Unbestritten muss die hohe Flexibilität natürlich mehr kosten als ein Ratenkredit. Und auch das Ausfallrisiko lassen sich die Banken bezahlen. Dieses liegt jedoch unter 0,4 Prozent

Laut eine Umfrage der ING-DiBa halten sich übrigens rund 20 Prozent aller Girokontoinhaber mindestens einmal pro Monat im Dispo auf. Die Stiftung Warentest spricht von knapp 15 Prozent. Oft stehen die Verbraucher mit 500 bis 1.500 Euro in den Miesen.

Laut einer Berechnung der Bundesbank stehen die Bundesbürger mit ihren privaten Girokonten mit zwölf Milliarden Euro im Minus.

Indes fordert auch die Politik in Person von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), dass die Banken ihre Zinsen veröffentlichen und ihre Kunden über Alternativen zum teuren Dispo aufklären sollen. Am 24. September wird sich der Bundesausschuss für Recht und Verbraucherschutz in einer Anhörung mit dem Dispozins befassen. Grundlage sind zwei Anträge der Fraktionen von den Grünen und der Linken zur Begrenzung der Zinssätze für Dispo und Überziehung. Dieser soll an die Marktzinsen gekoppelt werden und damit eine Deckelung erfahren.

Konditionen vergleichen, Dispo meiden

Wer nun ein Konto mit geringem Dispokredit sucht und die Angebote vergleicht, sollte auch die gesamten Konditionen unter die Lupe nehmen. Oft ist der Dispozins auch abhängig von der Grundgebühr oder dem regelmäßigen Geldeingang.

Bei der Santander Consumer Bank etwa steigt der Dispozins ab 1.000 Euro Miesen auf 11,40 Prozent ab dem ersten Euro. Bis 500 Euro zahlt man lediglich 8,15 Prozent.

Aber auch wenn ein günstiger Dispozins gefunden wurde, sollte diese nicht gewohnheitsmäßig, sondern nur im Notfall genutzt werden. Für längerfristigen oder regelmäßigen Geldbedarf über das eigene Guthaben hinaus sollte man sich hinsichtlich einem Raten- oder einem Rahmenkredit beraten lassen.


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